Historie

2016 feierten wir Jubiläum: 25 Jahre Kita Zappel-Philipp

Die Gründung des Vereins (1990)

Ein Mangel an Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren – diese Situation führte Anfang der 1990er Jahre dazu, dass sich einige Studentinnen und Mitarbeiterinnen der Philipps-Universität bei der Frauenbeauftragten darüber beklagten, aufgrund fehlender Kita-Plätze und Tagesmütter nicht mehr ihr Studium weiterführen oder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren zu können. Daraufhin organisierte diese ein Treffen, bei dem sich die Betroffenen kennenlernten und die Idee entwickelten, sich gegenseitig bei der Betreuung ihrer Kinder zu unterstützen. Mehr noch: Durch die Gründung eines Vereins sollte Kinderbetreuung institutionalisiert werden – am 22. November 1990 wurde der „Zappel-Philipp – Interessengemeinschaft Universitäts-Kinderbetreuungsplätze e.V.“ gegründet, am 2. Januar 1991 ins Vereinsregister eingetragen. Der Bedarf war nicht nur bei den Frauen und Männern, die selbst aktiv wurden, da: Eine Umfrage, welche die Frauenbeauftragte initiierte, ergab, dass für über 300 Kinder von Uni-Angehörigen eine Betreuung fehlte!

Die Einrichtung der Kita (1991)

Im März 1991 dann nahm die Kita „Zappel-Philipp“ ihre Arbeit auf, nachdem auf Initiative des Vereins und der Frauenbeauftragten die Philipps-Universität und das Studentenwerk Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt hatten. Drei Gruppen mit je fünf Kindern konnten in wechselnden Domizilen – dem Café Trauma, im „Kosselhaus“, im „Bettenhaus“, im Akad. Auslandsamt, im „Strahlenbunker“ und sogar reihum in Privatwohnungen! – untergebracht werden. Drei Erzieherinnen, die als ABM-Kräfte eingestellt wurden, betreuten von nun an fünf Ganztags- und zehn Halbtagsplätze. Unterstützt wurden sie von Praktikantinnen. Finanziert wurde die Kita überwiegend von Stadt und Land, ein Viertel der Kosten vor allem für die Gehälter wurde aus den Elternbeiträgen und Spenden bestritten. Die Uni stellte die Räumlichkeiten inklusive Neben- und Reinigungskosten unentgeltlich zur Verfügung.

Umzug in Container (1993)

Die prekäre Raumsituation wurde 1993 durch eine Container-Lösung auf den Lahnbergen zunächst gelöst: Mit Landes- und kommunalen Geldern und Spenden konnten zwei Wohncontainer auf dem Gelände der Universität auf den Lahnbergen aufgestellt werden. 1994 dann wurde auch ein Freigelände im Botanischen Garten eingerichtet. Das Gelände wurde wie zuvor von der Universität kostenlos zur Verfügung gestellt – der normale Kitabetrieb wurde neben den Erzieherinnen von den Eltern aufrecht gehalten: Ob Putzen, Waschen oder Kochen – jede/r war mal dran! Im Jahr 1998 erscheint die Kita-Zeitung zum ersten Mal – kostenlos ausgegeben, informiert sie über die Arbeit des Vereins, stellt das Kita-Leben vor und engagierte Eltern schreiben zu aktuellen Kinderthemen.

Und wieder ein Umzug – diesmal nach Cappel (1999)

Das beschauliche Kita-Leben fand ein Ende, als die auf fünf Jahre befristete, dann noch um ein Jahr verlängerte Betriebsgenehmigung 1999 auslief und das Landesjugendamt einer weiteren Verlängerung nicht zustimmte. Die Container mussten geräumt werden und der Vorstand fand ein geeignetes Haus in Cappel. Dass dort eine Kita mit quirligen Krachmachern einziehen sollte, deren Eltern beim Hinbringen und Abholen Autolärm verursachten, missfiel jedoch einigen Anwohnern. Dieser Konflikt wurde ausführlich in der lokalen Presse behandelt, was bewirkte, dass dem Verein bald ein anderes Haus, ebenfalls in Cappel, Marburger Straße 59, angeboten wurde. Ab 23. Oktober 2000 hatte die Kita mit mittlerweile 22 Kindern (18 Ganztags- und 4 Halbtagsplätze) und sechs Erzieherinnen hier ihren Sitz. Diese waren auch keine ABMler mehr, sondern in unbefristete Beschäftigungsverhältnisse übernommen worden.

Eine reine Uni-Kita war der Zappel-Philipp mit dem Umzug aber nicht mehr, da Cappel als Kita-Standort für viele der Uni-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf den Lahnbergen nicht mehr attraktiv war. Dafür aber für Cappeler Kinder! Der Vorstand veranlasste eine Satzungsänderung: Aus der „Interessengemeinschaft Universitätskinderbetreuungsplätze“ wurde nur noch der „Zappel-Philipp“.

Umzug, der Dritte – in den Botanischen Garten (2005)

Der Bedarf an Betreuungsplätzen für Universitätsangehörige bestand jedoch nach wie vor. Nachdem das Cappeler Haus Ende 2004 verkauft werden sollte und der Zappel-Philipp schon wieder auf der Suche nach einem neuen Domizil war, empfahlen Frauenbeauftragte und Personalversammlung der Universitätsleitung dringen die Aufnahme neuer Verhandlungen mit dem Verein, um die Kita wieder an die Hochschule zu binden. Zu ersten Annäherungen kam es im April 2004, als der Förderverein des Universitäts-Sommerfestes dem „Zappel-Philipp“ eine Spende in der Höhe von 4.000 Euro, die dringend für neue Stühle und Spielgeräte benötigt wurden, überreichte. Ein Hinweis des Personalrates, dass im Verwaltungsgebäude des neuen Botanischen Gartens Werkstätten leer stünden, führte dann zur Einrichtung der Kita dort, wo sie heute noch ihre Heimat hat.

Aus den anfangs nicht sehr verlockenden Werkstatträumen ohne Decken und Fußböden konnten mit Unterstützung durch die Stadt (Zuschuss in Höhe von 100.000 Euro) und die Bauabteilung der Uni, und unter Regie des Hessischen Baumanagements dann zweckmäßige und freundliche Räume mit direktem Zugang zum Botanischen Garten errichtet werden. Der Mietvertrag zwischen dem Kanzler der Universität, Dr. Friedhelm Nonne und dem Verein Zappel-Philipp, vertreten durch die Vorstandsmitglieder des Vereins, Frau Astrid Dreher und Dr. Karsten Uhde, wurde am 7. Juni 2005 unterzeichnet – zunächst auf 5 Jahre, mit Option auf Verlängerung. Von diesem Zeitpunkt an war mindestens die Hälfte der zu vergebenden 20 Plätze, die nur noch aus Ganztagsplätzen bestanden (Bären und Marienkäfer), an Kinder von Mitgliedern der Philipps-Universität zu vergeben (Beschäftigte, Studierende, Promovierende). Das fünfzehnjährige Vereinsjubiläum konnte am 14. Oktober 2005 in den im August des Jahres bezogenen Räumlichkeiten gefeiert werden. Die Mitarbeit der Eltern für die Kita wurde erheblich reduziert – selber Kochen und Putzen gehörten ab nun der Vergangenheit an. Das Essen wurde ab diesem Zeitpunkt vom Lieferservice „Eßtragon“, ab 2010 von den Fleckenbühlern bezogen, und eine Reinigungskraft eingestellt. Im Neuen Botanischen Garten wurde zudem ein eigener Spielplatz eingerichtet, der im Lauf der Jahre neben der Standardausrüstung Sandkasten, Rutsche und Schaukel auch mit vielen weiteren kleinkindgerechten Spielgeräten ausgestattet wurde.

Aus 20 werden 30: Die Erweiterung

Ein Problem blieb jedoch weiterhin in Marburg bestehen: Fehlende Kita-Plätze, was sich beim Zappel-Philipp in einer sehr langen Warteliste ausdrückte. Auf Initiative des Vorstandes der Kita, vor allem aufgrund des Engagement seines damaligen Vorsitzenden Andreas Ettrich, konnte der Anbau der Kita 2010 realisiert werden, wieder mit finanzieller Unterstützung der Stadt, aus dem Konjunkturpaket des Bundes, und aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. Ein dritter Gruppenraum kam hinzu; Küchenbereich, Flur, Toiletten und Wickelbereich wurden erweitert.

Die Bauphase sorgte auf der einen Seite zwar für plattgedrückte Nasen an den Fenstern bei baggerbegeisterten Jungs, war auf der anderen Seite aber auch mit Unannehmlichkeiten verbunden, die zum Glück nur vorübergehend waren: Gleich zu Beginn des Jahres 2011 musste im Januar 2011 für zwei Wochen eine „Notunterkunft“ im Pfarrheim in Cappel bezogen werden, da die Räume auf den Lahnbergen wegen der Baumaßnahmen nicht zur Verfügung standen. Mit den zehn neuen Kindern (den Igeln) kamen auch drei neue Erzieherinnen.

Das 20-jährige Bestehen der Kita wurde mit der Einweihung der neuen Räumlichkeiten im Sommer 2011 gebührend gefeiert.

Wechsel der Trägerschaft

Gehälter für die Erzieherinnen berechnen und überweisen, Landesmittel beantragen, Bewerbungsgespräche führen, Elternarbeit organisieren, Wartelisten von nunmehr 30 Kindern verwalten – der vierköpfige Vorstand der Kita hatte keine Langeweile! Obwohl einiges, was vorher vom Vorstand getragen wurde, im Lauf der Jahre in professionelle Steuerberaterhände gegeben worden war, wurde die Vorstandsarbeit angesichts abnehmenden Elternengagements und des eigentlichen Vollzeitjobs für den Vorstand, der im Sommer 2014 angetreten war, zu einer Belastung, die man vor allem aufgrund der hohen Personalverantwortung als Arbeitgeber der Erzieherinnen nicht mehr zu schultern imstande war. Nachdem sich keine Nachfolger finden ließen, fiel im Frühjahr 2015 der Entschluss, die Trägerschaft der Kita in andere Hände zu geben: Der neue Träger ist seit September 2015 die Kinder- und Jugendhilfe Marburg e.V. Außerdem wurde der Förderverein Kindertagesstätte Zappel-Philipp e.V. gegründet.

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